Texte von Eduard Ch. Riethmayer M.A. - Schulpraxis und Theorie schulischen Lernens
Themenbereiche:
Aus der Erkenntnis der Notwendigkeit der
Individualisierung schulischen Lernens ergibt sich die
Notwendigkeit, Formen des Lernens zu entwickeln, in denen die
Lernenden weitgehend selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten.
Dies kann nur geschehen, wenn sie über die Fähigkeit zur
Selbstregulation ihres Lernprozesses verfügen. Eine umfangreiche
Forschung hat dazu Ergebnisse geliefert, die bei der Gestaltung
schulischer Lernumgebung berücksichtigt werden muss.
Selbstregulation (SRL) ist von einer Vielzahl von personenbezogener
Faktoren abhängig. Es ist unsinnig, anzunehmen, eine entsprechend
gestaltete Lernumgebung würde die Selbstregulation bei Lernenden
einfach "anknipsen". Auch "Strategievermittlung" führt hier nur ein
Stück weiter, denn an den grundsätzlichen personalen Voraussetzungen
ändert sich dadurch nichts! Auch hier ist eine Wertschätzung von
Heterogenität die angemessene Reaktion.
Schulentwicklung ist in ihrem Kern
Unterrichtsentwicklung. Hier müssen methodische Formen und
organisatorische Strukturen geschaffen werden, die das konkret
werden lassen sollen, was als Notwendigkeit erkannt wurde, nämlich
die Kombination verschiedener Lernformen - wobei dem
eigenverantwortlichen Lernen eine besondere Rolle zukommt.
Fachdidaktik (Naturwissenschaften)
Wie ist Lernen im Umfeld bestimmter Fachlichkeit in der allgemeinbildenden Schule überhaupt möglich und begründbar? Wie müssen notwendige Veränderungen, die sich aus den Erkenntnissen der Erziehungswissenschaft und der Lehr-/Lernforschung ergeben haben, in der Gestaltung des schulischen Lernens konkret sichtbar werden? Wie können ausgewählte, grundlegende Prinzipien und Begriffe den Lernenden zugänglich gemacht werden? Was ist "Verstehen" naturwissenschaftlicher Zusammenhänge - jenseits eines nebulösen, mystischen Verständnis dieses Begriffs? Das sind die Fragen, die "fachdidaktisch" geklärt werden sollten. - Worum es hier nicht gehen kann, ist ein Lernen unter dem primären Gesichtspunkt der Schaffung einer Basis für eine berufliche Ausbildung (Verwertbarkeit von Lernenden als Arbeitnehmer), auch nicht darum, ein diffuses Gefühl von Bedeutung und enthusiastischer Begeisterung für einen fachlichen Bereich zu wecken, wobei unter dem Prinzip der "Kontextualisierung" Phänomene in den Vordergrund gestellt werden, ohne eine Tiefenverarbeitung angesprochener Themen zu beabsichtigen, zu ermöglichen oder auch nur zu prüfen, ob eine solche überhaupt - aufgrund des bereichsspezifzischen Wissens der Lernenden - möglich ist. Es geht bei solchen "Fachdidaktiken" letztlich nur um die Akzeptanz ökonomischer Verwertbarkeit naturwissenschaftlichen Wissens (das man sich nicht zu eigen macht, sondern als "Herrschafts-wissen" ökonomischer Mächte einfach akzeptiert und in deren Verfügbarkeit belässt). Diese gilt es dann gesellschaftlich abzusichern. Eine so verstandene "Kontextualisierung" gibt jeden emanzipatorischen Anspruch auf. Es kann nicht um "Exemplarität" von "Vewertungsformen" gehen, sondern um Exemplarität hinsichtlich grundlegender naturwissen-schaftlicher Prinzipien, die die Grundlage eines rationalen Weltverständnisses bilden, das letztlich als Bildungsziel naturwissenschaftlichen Unterrichts Priorität haben sollte!